Wie du prüfst, ob eine Software wirklich europäisch ist
Eigentlich ist es ganz einfach zu prüfen, ob eine Software wirklich europäisch ist:
- Der Hauptsitz liegt in Europa
- Gibt es eine Muttergesellschaft, muss auch die in Europa sitzen
- Die Auftragsverarbeiter liegen in Europa
Bei manchen EU-Produkten kannst du alle drei Punkte abhaken, weil wirklich alles europäisch ist, zum Beispiel LeaderGPU oder DentroChat.
Bei den meisten ist es jedoch ein Mix.
Am wichtigsten: Hauptsitz und Muttergesellschaft
Entscheidend ist der Standort des Hauptsitzes und der Muttergesellschaft.
Sitzt das Unternehmen in den USA, unterliegt es dem US Cloud Act. Dann können US-Behörden Daten verlangen, selbst wenn die Daten physisch in Europa liegen. Gehostet in Europa ist nicht dasselbe wie EU-souverän.
Außerdem kann jederzeit irgendein Präsident entscheiden, Europa von der eigenen IT-Infrastruktur abzuschneiden…
Kurz gesagt: Wer souverän bleiben will, sollte Produkte mit Hauptsitz in Europa wählen. Etwas ist keine europäische Software, wenn Microsoft (z. B. LinkedIn), Salesforce (z. B. Slack) oder Google (z. B. YouTube) dahinterstehen, auch wenn es Tochterfirmen in Europa gibt.
Zweitwichtig: die Auftragsverarbeiter
Läuft fast alles auf Google Cloud (wie bei Mollie), können US-Behörden die Daten trotzdem über den Cloud Act anfordern. Und die USA können Europa jederzeit abschneiden.
Allerdings könnte ein Anbieter auf einen Cloud-Dienst umziehen, der wirklich (größtenteils) europäisch ist, etwa Scaleway oder Clever Cloud. Genau das scheint Mollie gerade zu tun und wandert auf einen selbst gehosteten Stack.
Wenn die Kernleistungen auf EU-souveränen Auftragsverarbeitern laufen und nur Hilfsdienste US-Anbieter nutzen, ist das für die meisten Produkte heute das Beste, was geht.
Beispiele sind Scaleway, Clever Cloud, BunnyCDN oder Lettermint. Kerndaten und Produktkern liegen auf EU-eigenen Maschinen, Zahlung, CRM und ähnliche Hilfsdienste können aber US-amerikanisch sein.
So findest du das bei neuen Diensten heraus
- Den Hauptsitz findest du meist in AGB oder Datenschutzerklärung, oft im Footer. Unser Privacy Policy Analyzer hilft dabei.
- Manchmal verlinkt der Footer auch eine Liste der Auftragsverarbeiter.
- Ist Muttergesellschaft oder ein Auftragsverarbeiter schwer zu finden, lohnt sich ein KI-Agent. Wir nutzen DentroChat täglich, um bei neuen Diensten schnell Fakten zusammenzutragen.
- Wenn du und dein Agent die Liste nicht findet, schreib dem Anbieter eine Mail und frag nach den Auftragsverarbeitern. Das ist meist der letzte Schritt, liefert aber oft die aktuellsten Infos. So haben wir erfahren, dass PayNL für Backups Google Cloud nutzt.
- Manchmal musst du tiefer graben, weil die Subprozessor-Seite veraltet ist. GreenPT nutzt für Mobile Apps den US-Dienst RevenueCat, erwähnt ihn aber in keinem Legal-Dokument. Wir mussten die APK laden und im Code nachsehen.
Meist ist es gar nicht so schwer herauszufinden, ob ein Dienst wirklich europäisch ist.
Wenn das Marketing das nächste Mal laut „europäisch“ ruft, weißt du, wo du nachschauen musst.