KI für Anwälte: Mandantenakten und § 203 StGB

KI für Anwälte hängt in der Praxis fast immer an derselben Frage: Darfst du eine echte Mandantenakte in einen KI-Chat hochladen, ohne Ärger wegen der Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO oder § 203 StGB zu bekommen? Ja, das geht, wenn der Anbieter deine Daten mit einem Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und einer Verschwiegenheitsverpflichtung nach § 43e BRAO in Europa verarbeitet, deine Eingaben nicht zum Trainieren seiner Modelle benutzt und du das Ergebnis am Ende selbst kontrollierst. Dafür haben wir DentroChat gebaut: Alles läuft auf europäischen Servern und nichts aus deinen Chats oder Dateien landet im Training, sodass du lange Akten zusammenfassen oder Entwürfe schreiben kannst, ohne Mandantendaten nach außen zu geben.
Dürfen Anwälte KI mit Mandantendaten nutzen?
Ja, solange du im Griff hast, wo die Daten hingehen, und du den Text der KI nicht blind übernimmst. Die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) hat dazu im Dezember 2024 das Papier „Hinweise zum Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI)“ herausgegeben. Darin geht es vor allem um die Verschwiegenheitspflicht nach § 43a Abs. 2 BRAO und darum, dass du jedes Ergebnis selbst prüfen musst. Wenn die KI ein Urteil oder ein Aktenzeichen erfindet und du es ungeprüft in einen Schriftsatz kopierst, haftest am Ende du.
Weil ein Sprachmodell nicht auf Ende-zu-Ende-verschlüsselten Texten rechnen kann, muss der KI-Anbieter das Dokument technisch im Klartext verarbeiten. Genau dafür gibt es § 203 Abs. 3 und 4 StGB zusammen mit § 43e BRAO: Du darfst externe IT-Dienstleister einbinden, wenn der Anbieter und alle beteiligten Subprozessoren vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet werden und über die strafrechtlichen Folgen einer Pflichtverletzung belehrt sind.
Warum § 203 StGB und § 43e BRAO bei KI so wichtig sind
Nach § 203 Abs. 1 Nr. 3 StGB machen sich Rechtsanwälte strafbar, wenn sie fremde Geheimnisse unbefugt offenbaren. Darauf steht Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Viele Kanzleien schauen bei neuer Software nur auf die DSGVO und legen den Standard-Auftragsverarbeitungsvertrag in den Ordner, obwohl § 43e Abs. 3 BRAO zusätzlich verlangt, dass der Dienstleister ausdrücklich in Textform zur Verschwiegenheit verpflichtet wird und klar geregelt ist, ob und unter welchen Bedingungen weitere Subunternehmer eingeschaltet werden.
Deswegen solltest du vor dem ersten Upload prüfen, in welchem Land die Server stehen, welche Subprozessoren eingebunden sind, ob die Verschwiegenheit über die gesamte Kette vertraglich abgesichert ist und ob deine Texte vom Training ausgeschlossen sind. Außerdem musst du Akten und Chats wieder richtig löschen können, sobald das Mandat beendet ist.
Was die EU und die Kammern sonst noch verlangen
Seit dem 2. Februar 2025 gilt Art. 4 der europäischen KI-Verordnung (AI Act). Wer als Kanzlei KI einsetzt, muss dafür sorgen, dass die Leute im Team genug KI-Kompetenz haben, damit niemand aus Unwissenheit vertrauliche Sachen in das falsche Fenster kopiert oder erfundene Fundstellen übersieht.
Der europäische Anwaltsverband CCBE rät in seinem Leitfaden zu generativer KI dazu, Mandanten offen zu sagen, wenn bei der Bearbeitung ihres Falls generative KI genutzt wird. Eine feste berufsrechtliche Pflicht dazu gibt es in Deutschland laut BRAK-Leitfaden aktuell zwar nicht, schaden tut Offenheit gegenüber dem Mandanten aber selten.
Dass fast jede Kanzlei gerade nach Zeitersparnis sucht, überrascht wenig: Laut dem CEPEJ-Bericht 2024 des Europarats kommen in Europa im Schnitt 180 Anwältinnen und Anwälte auf 100.000 Einwohner (Zahlen aus 2022). Wer bei Zusammenfassungen und Standardentwürfen Zeit spart, hat es im Alltag leichter, solange die Vertraulichkeit sauber geregelt ist.
Kurze Checkliste für deine Kanzlei
- Schreib kurz auf, welche KI-Tools in der Kanzlei erlaubt sind und bei welchen Mandaten KI komplett draußen bleibt.
- Führ eine einfache Liste darüber, welche Tools ihr für welche Aufgaben einsetzt.
- Nimm Klarnamen und unnötige Details aus Dokumenten heraus, wenn es für die Frage an die KI nicht gebraucht wird. Bei öffentlichen Modellen verlangt der CCBE eine vollständige Anonymisierung.
- Schlag jedes Zitat, jedes Gesetz und jedes Aktenzeichen in der Originalquelle nach, bevor der Text rausgeht.
- Kläre mit deiner Kammer ab, wann Mandanten informiert werden sollten, und halte kurz fest, wofür KI genutzt wurde.
Wie DentroChat dazu passt
DentroChat läuft auf Servern in Europa und nutzt deine Chats oder hochgeladenen Dateien nicht für das Training von KI-Modellen. Deine Dokumente bleiben in deinem Workspace, bis du sie wieder löschst. Für Kanzleien gibt es bei DentroChat Business einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und ein Audit-Log. Welche technischen Dienstleister wir einbinden, steht offen auf unserer Subprozessor-Seite, damit dein Datenschutzbeauftragter nicht erst lange nachfragen muss.
Eine juristische Datenbank wie Juris oder Beck-Online ersetzt DentroChat nicht, weil es ein allgemeiner KI-Assistent für Text und Dokumente ist. Die juristische Prüfung bleibt also bei dir. Wenn du genauer nachlesen willst, wie wir mit hochgeladenen PDFs und Word-Dateien umgehen, schau in unseren Beitrag zu KI für vertrauliche Dokumente.
Häufige Fragen
Darf ich normales ChatGPT für Mandantenakten nutzen?
Bei den normalen Privatkunden-Accounts können deine Eingaben je nach Einstellung für das Training der Modelle verwendet werden, und einen Auftragsverarbeitungsvertrag für deine Kanzlei bekommst du dort auch nicht. Für echte Mandantenakten solltest du solche Accounts deshalb nicht nehmen.
Muss ich meinen Mandanten sagen, dass ich KI benutze?
In Deutschland schreibt der BRAK-Leitfaden das im Moment nicht zwingend vor, empfiehlt aber, offen damit umzugehen. In Ländern wie Italien ist der Hinweis an den Mandanten nach Art. 13 des Gesetzes 132/2025 dagegen schon per Gesetz Pflicht.